Termine

Zufallsbild

Frühling (7).jpg

"Der Bau der Lippebrücke und der Straße nach Verlar"

2014 wurde die Brückenstrasse nach Verlar erneuert. Eine längst überfällige Arbeit, war sie doch in den ganze Jahren arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Vor allem, als mit der Ausbeutung der Sand- und Kiesvorkommen, östlich unserer Gemeinde begonnen wurde. Heute fahren wir wie selbstverständlich darüber und vermissen sie schmerzhaft, wenn sie, wie im vergangenen Jahr mehrere Monate gesperrt wird. Aber, wie lange gibt es sie eigentlich schon?
Dazu gibt uns das Buch "Das Lippedorf Mantinghausen" von Karl-Heinz Hückelheim auskunft. Das Buch ist beim Heimatverein erhältlich.

Der Bau der Lippebrücke und der Straße nach Verlar

Der Wunsch der neuen politischen Gemeinde Mantinghausen eine Fahrbrücke über die Lippe zu bauen, dürfte sehr groß gewesen sein, aber die Mittel waren nicht vorhanden. So ist es verständlich, daß 1869 erst einmal der Fußgängersteg erneuert wurde. Fast 10 Jahre später stellte die Gemeindevertretung in der Sitzung vom 28.Mai 1878 einen Antrag an den Kreis Büren, in der Nähe von Mantinghausen eine Fahrbrücke über die Lippe zu bauen. Die Kosten sollte der Kreis übernehmen und die Gemeinde einen Kostenbeitrag von 6.000,00 Mark leisten. Gegenteiliger Meinung war der Kreistag zu Büren. Dieser schlug vor, daß die Gemeinde Mantinghausen als Bauherr in eigener Regie die Brücke bauen sollte und stellte einen Kreisschuss von 5.000,00 Mark aus den Betriebs-überschüssen der Kreissparkasse in Aussicht. Die Notwendigkeit des Brückenbaus erklärt der Gemeinderatsbeschluß vom 23.November 1878. „Hier erklärt die Vertretung, daß die Fahrbrücke über die Lippe zwischen Mantinghausen und Verlar notwendig sei, da zwischen Boke und Lippstadt kein anderer Fahrweg über die Lippe führt. Nach Boke zu fahren sind es 2 Stunden und nach Lippstadt ca. 3 Stunden. Von so einer kleinen Gemeinde wie Mantinghausen kann nicht verlangt werden, die Grundstücke von Mantinghausen nach Verlar anzukaufen und die 4 Brücken zu bauen, die in den Weg gelegt werden sollen, damit der Weg trocken liegt. 2 von den 4 Brücken sollen fast so groß werden wie die Lippebrücke. Wenn wir auch einen Betrag aus der Hilfs-kasse und auch aus der Kreiskasse erhalten, wollen wir lieber auf den Weg verzichten, so gerne wir ihn hätten. Auf Anfrage des Landrates in Büren teilte der Amtmann in Salzkotten diesem am 09.Februar 1882 mit, daß bis jetzt kein Plan zum Bau einer Brücke aufgestellt werden konnte, da die Grundstücksbeschaffung für den Weg nach Verlar nicht vorankomme. Nur mit einer Separation sei dieser Plan zu lösen. Nachdem die Kosten für den Ausbau des Weges nach Verlar mit 16.000,00 Mark veranschlagt wurden, traf der Gemeinderat von Mantinghausen am 01.August 1883 die Entscheidung: Die Brücke über die Lippe wird für die veranschlagte Summe von 7.500,00 Mark gebaut. Mit dem Ausbau des Weges nach Verlar wird bis zur anstehenden Separation gewartet. Nun ging alles sehr schnell. Die öffentliche Ausschreibung erfolgte Anfang Dezember, Kostenvoranschlag und Zeichnungen lagen im Amtsbüro aus. Am 15.Dezember 1883 war die Abgabe der Angebote im Hause des Wirtes Ignatz Beisler (jetzt Theodor Beine). Für eine Angebotssumme von 7.000,00 Mark bekam der Bauunternehmer Timmermann aus Lippstadt im Januar 1884 den Zuschlag zum Bau einer Fahrbrücke über die Lippe in Mantinghausen.

Die Lippebrücke hatte eine Höhe von vier Metern und einen steilen Anstieg.

Diese Brücke wurde noch 1884 fertiggestellt, hatte aber von der Seite Verlars keinen Straßenzugang. Hierzu schreibt der Chronist im Frühjahr: „Zu bemerken ist, daß die schon lange Jahre gewünschte Lippebrücke in Angriff genommen wurde. Im Herbst teilt er mit: Die Lippebrücke wurde Ende Oktober fertig. Mitte November wurde die Tragfähigkeit von 2 Baumeistern geprüft durch eine Belastung von 12tausend Zentner Erde. Die Straße konnte erst 1889 gebaut werden, da durch die Separation der Grunderwerb erfolgen konnte." Das Wege-Problem mußte schnellstens gelöst werden. Am 29.Dezember 1883 teilte schon der Reg. Assessor Peltzer dem Amtmann Graf v. Meerveld in Salzkotten mit, daß die Feldmark von Mantinghausen und Verlar in kurzer Zeit zusammengelegt werde. Am 10.Januar 1884 gab er bekannt: „Ich beabsichtige in den nächsten Wochen mit der Projektierung des von Verlar nach Mantinghausen über die neue Lippebrücke anzulegenden öffentlichen Weges vorzugehen. Soweit meine Informationen reichen, wird der Weg bei der Wirtschaft Harke in Verlar auslaufen. Die Durchführung des Weges bis auf die Chaussee von Lippstadt nach Salzkotten wird nur erfolgen können, wenn die Grundbesitzer den erforderlichen Grund und Boden abtreten." Es dauerte über ein Jahr, bis der Reg. Assessor Peltzer zum 06.Februar 1885 die Deputierten beider Gemeinden nach Verlar in die Wirtschaft Harke einlud.

Hier wurde das Wegeprojekt vorgestellt und anschließend der durch hohe Stangen abgesteckte 10 m breite Weg besichtigt. Alle Anwesenden erklärten sich mit dem projektierten Weg einverstanden. Nach dem Protokoll waren anwesend, Amtmann Graf von Meerveld, die Gemeindevorsteher Speckemeier Verlar, Rötzmeier Mantinghausen, die Deputierten Buckler und Baumhoer aus Verlar sowie Maasmeier und Jittenmeier aus Mantinghausen. Gegen diese Straßenführung legte der Grundstückseigentümer Dreike aus Verlar Einspruch ein und erklärte sich nicht bereit, sein benötigtes Grundstück ab-zugeben. Da die Durchsetzung dieses Planes rechtlich viel Zeit kosten würde, machte Reg. Assessor Peltzer den Vorschlag, den neuen Weg nicht bei der Kirche in Verlar, sondern bei Müther auf die Chaussee zu führen. Er legte folgende Begründung vor: „Der Weg von Mantinghausen hat hauptsächlich den Verkehr des rechten Lippeufers mit Lippstadt zu vermitteln. Der Weg von der Brücke bis zu Müther ist kürzer, dadurch billiger und die Feldmark von Verlar wird nicht schräg durchschnitten". Dieses waren durchschlagende Argumente. Die Verhandlungen vom 28.Mai 1885 wurden mit allen Grundstückseigentümern am 18.Oktober 1885 wiederholt. Nun stimmten alle Grundbesitzer einer Verpachtung ihrer benötigten Grundstücksflächen als Wegefläche vom 01.0kto-ber 1885 bis zur Zusammenlegung (Separation) zu. Die Gemeinden Verlar und Mantinghausen zahlten die Pachtbeträge aus ihrer Gemeindekasse. Zu den Beschwerden nahm auch die Provinzial Regierung in Münster am 19.August 1887 gegenüber dem Vorsteher Speckemeier von Verlar Stellung: „Bereits im Jahr 1885 ist der Weg bei der Separation durch den mit der Zusammenlegung beauftragten Spezial Kommissar, in Einvernehmen mit dem Kreis-landrat, als öffentlicher Weg ausgewiesen und mit dem 01.Oktober 1885 an die Gemeinde Verlar überwiesen worden. Einstimmig hat sich der Spezial Kommissar Reg. Assessor Peltzer und der Landrat für den Weg ausgesprochen. Der Weg ist für Mantinghausen unbedingt notwendig und nach Bau der Lippebrücke von erheblichem wirtschaftlichem Interesse. Mit Rücksicht auf den zwischen Verlar und Westenholz betriebenen Viehhandel und die von Mantinghausen bewirkte Holzzufuhr, ist eine Änderung des Ausbaues des Weges nicht zulässig." Erstmalig wird in einem Schreiben am 02.September 1887 von einem hochwasserfreien Damm geschrieben. Hier stellt der Reg. Assessor Peltzer an den Amt-mann unter anderem fest: „Bei der Beurteilung des Chausseebauprojektes, nach dem das Lippetal von einem hochwasserfreien Damm durchquert wird, tritt eine andere Frage in den Vordergrund. Kann bei höchsten Fluten die vorgesehene Durchflussöffnung dies bewältigen? Man muß bedenken, daß bei der Lage des Flusses und des Geländes, bei hohen Fluten ebenso große Wassermassen im Tal wie im Flussbett sich bewegen. Die Straßenbrücken der Abflussgräben sollten mindestens eine Öffnung von 6 m haben. Diese Anregung wurde bei der Planung der Brücken über die Abflussgräben nicht berücksichtigt. Bei dem Jahrhunderthochwasser 1890 wurde der ca. 11/2 m hohe Straßendamm fast ganz zerstört.

Im Jahr 1888 wurde die Zusammenlegung (Separation) beendet. Die Meliorationspläne waren erstellt und im Jahr 1889 konnte der Wegebau beginnen. Die Ausschreibungen für den Ausbau des Weges nach Verlar erfolgten Anfang des Jahres 1889. Mit dem Unternehmen Gebr. Wittler aus Bleiwäsche und Alme wurde am 28.Mai 1889 ein Arbeitsvertrag für den Straßenbau abgeschlossen. Vertraglich wurde, der Fa. Leichner aus Hüblingen Kreis Westenburg z.Z. in Geseke, am 06.Juni 1889 der Wegebrückenbau übertragen. Die Kostenabrechnung des Gesamtprojektes erfolgte am 25.0ktober 1890.

Die Kosten betrugen:

Strecke Verlar

  1. Unternehmer Wittler bekam für Material
    und Arbeiten zum Wegebau
    10.052,25 Mark
  2. Unternehmer Leichner für Brückenbauarbeiten
    3.500,00 Mark
  3. Ing. Wehrmann für Planung du Begleitung
    850 Mark
  4. An Melchert und Henkenmeier für Aufmetern der Steine
    260,15 Mark
    Gesamtkosten
    14.662,40 Mark

Strecke Mantinghausen

  1. Unternehmer Wittler bekam für Material
    und Arbeiten zum Wegebau
    2.670,81 Mark
  2. Unternehmer Leichner für Brückenbauarbeiten
    2.000,00 Mark
  3. Ing. Wehrmann für Planung du Begleitung
    295 Mark
  4. 4.An Freesmeier und Henkenmeier für Aufmetern der Steine
    63,99 Mark
    Gesamt
    5.029,80 Mark

Einige Tage nach dieser Abrechnung traf das Jahrhunderthochwasser ein und zerstörte die neu gebaute Dammstraße fast ganz. Der Schaden war sehr groß und dazu kam noch, daß der Königliche Spezial Kommissar Reg. Rat Peltzer am 07.September 1891 mitteilte: Die durch das Hochwasser verursachten Straßen-kosten können nicht von der Separationskasse übernommen werden. Der Reg. Baumeister Wachsmuth stellte am 20.November 1891 fest, die erste Brücke von Verlar, die über den Entwässerungsgraben geht, ist baufällig und muß abgebrochen werden. Am 13.April 1892 bekam der Unternehmer Utzel aus Geseke den Auftrag eine Straßenbrücke zu erneuern und der Unternehmer Bernhard Deppe aus Enkhausen bekam den Auftrag, die Straße Verlar Mantinghausen Instand zu setzen. Hierbei mußten die Reste der ca. 1,50 m hohen Dammstraße entfernt und die neue Straße in Geländehöhe verlegt werden. Die Abrechnungen erfolgten am 08.Oktober 1892. Die Firma Utzel, Geseke_ bekam für die geleistete Arbeit 2.747,00 Mark und die Firma Deppe 2.193,70 Mark.

 

Neue Betonspannbrücke über die Lippe, 1966.

Der Chronist von Mantinghausen schreibt über das Hochwasser und den Straßenbau. Bei dem Zustand der Lippe und den dadurch bedingten vielen Hochwassern hat man die Straße als Dammstraße ca. 11/2 m über Gebäudehöhe gebaut, um auch bei Hochwasser die Straße benutzten zu können. Kaum war die Straße fertig, trat im November 1890 das Jahrhunderthochwasser ein und zer-störte die ganze Dammstraße. „Das Wasser ging mehrere Fußhoch über die Chaussee. Diese floß total kaputt." Die Straße wurde 1891 erneuert und man paßte die Straße dem vorhandenen Gelände an. Dieses bedingte, daß die 4 Grabenbrücken ca. 1,5 m und die Lippebrücke ca. 4 m über Geländehöhe stehen blieben. Diese Brücken bildeten ein großes Verkehrshindernis. Dieses traf be-sonders auf die Lippebrücke mit ihrem kurzen und steilen Anstieg zu. Pferde-fuhrwerke mußten im Winter sehr oft vorspannen. Dieses galt noch bis nach dem 2. Weltkrieg. Ein besonderes Lied konnte der Milchwagenfahrer singen, der diese Strecke zur Molkerei Geseke täglich fahren mußte. Am 01.09.1921 beschloß der Kreistag die Übernahme der Straße. 1966 wurde die Straße neu ausgebaut, die Bogenbrücke abgebrochen und die Lippebrücke durch eine Spannbetonbrücke ersetzt.

Text Karl-Heinz Hückelheim

Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.